TheologosAnalele Universității de Vest din Timișoara · Seria Teologie

Numărul 15 / 2009

Das Geheimnis der Drei-Einheit Gottes Dargestellt anhand von Bildern der westlichen und östlichen Tradition


1. Dieses Thema ist hochaktuell!

  • Für die Christen selbst, denn sie müssen über ihr Gottes-Verständnis Rechenschaft geben können vor sich selbst, vor anderen und vor Gott.

Man muss wissen, dass das Gottes-Verständnis einfacher Christen – ihr „Gottes-Bild“, stärker durch Bilder geprägt ist, als durch die verbale Lehre und Verkündigung. Katecheten und Seelsorger haben auch darauf zu achten, dass das Beten der Christen zu Gott und ihr Reden über Gott dem geoffenbarten Trinitäts-Glauben der Kirche entsprechen.

  • Für den inner-christlichen ökumenischer Dialog, denn die Einheit in der Trinität ist das von Jesus selbst herangezogene Beispiel für die Einheit der Kirchen in der Kirche: Alle, die an mich glauben, sollen eins sein, wie Du, Vater, in mir bist, und wie ich in Dir bin, so sollen auch sie eins sein. (Joh 17,21).
  • Für den Dialog zwischen den monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam, denn die Christen werden von Juden und Muslimen bezichtigt, den Ein-Gott-Glauben verraten zu haben. Ihr Dreifaltigkeits-Glaube wird als eine unerträgliche Lästerung des einen und einzigen Gottes abgeurteilt. Christen müssen sich darum glaubwürdig und der Selbstoffenbarung Gottes entsprechend rechtfertigen können.

2. Worin gründet der Trinitäts-Glaube der Kirche und der Christen?

Das Zeugnis der Heiligen Schrift

Im NT ist die Trinität ausdrücklich im Taufbefehl Jesu genannt: Taufet im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! (Mt 28,19). Auch sonst wird an vielen Stellen vom Vater, vom Sohn und vom Heiligen Geist geredet. Das schaffende und rettende Handeln Gottes wird trinitarisch erzählt: Gott (der Vater) wirkt durch sein Wort (den Sohn) in der Kraft des Heiligen Geistes.

Auch im AT gibt es Stellen, die implizit trinitarisch verstanden werden können, z.B. sagt Gott vor der Erschaffung des Menschen: „Lasst uns (im Plural!) den Menschen machen“ (Gen 1,26); und an vielen Stellen wird der Plural Elohim für Gott verwendet. Aus dem Buch der Psalmen ist vor allem auf Ps 110 hinzuweisen: Dixit Dominus Domino meo, sede a dextis meis! … Filius meus es tu, Ego hodie genui te!

Das Glaubenszeugnis der Kirche in Geschichte und Gegenwart

Die ersten ökumenischen Konzilien – Nikaia 325, Konstantinopel 380/81, Ephesus 431 und Chalcedon 451 haben die Trinitätslehre verbindlich festgeschrieben. So ist sie auch in allen späteren Katechismen zu finden.

Bekenntnis und Gebet (offiziell und privat) der Kirche sind deutlich trinitarisch geprägt. Die Kirche bekennt nicht nur ihren Glauben an die Drei-Einheit Gottes, sie betet und feiert ihre Liturgie ebenfalls in trinitarischer Prägung: Sie betet zum Vater durch den Sohn im Heiligen Geist.

Im ersten christlichen Jahrtausend steht die theologische Reflexion und das Bekenntnis von der Drei-Einheit Gottes im Vordergrund, im zweiten Jahrtausend verdrängt die Entwicklung bestimmter neuer Bilder der Dreifaltigkeit die weitere theologische Reflexion. Die Spannung zwischen Einheit Gottes und Dreiheit Gottes wird immer bestehen und ist auch in Texten und Bildern deutlich zu erkennen.

3. Das Geheimnis vom drei-einen Gott

Der Mono-Theismus muss die primäre Glaubens-Überzeugung sein und bleiben!

Weder die Rede von der Trinität noch die Bilder der Trinität dürfen den Monotheismus verdunkeln!

In Wort und Bild sind die Darstellung vom ewigen trinitarischen Wesen Gottes an sich (nach innen) und dem wahrnehmbaren trinitarischen Handeln Gottes (nach außen) – in Schöpfung, Erlösung und Vollendung – zu unterscheiden.

Gemäß dem Prinzip der Lex orandi hat die [trinitarische] Spiritualität klar den Vorrang gegenüber dem [trinitarischen] Dogma. Im westlichen Christentum wird – vielleicht durch das Bild der Geist-Taube – der Heilige Geist mehr und mehr vernachlässigt. Ein Vogel ist nun einmal schwächer als zwei menschliche Figuren. In vielen Bildern der Krönung der Gottesmutter durch die Dreifaltigkeit scheint Maria den Heiligen Geist mehr und mehr zu verdrängen. Solche Bilder sind aber auch in der orthodoxen Tradition zu finden wegen starker Einflüsse aus dem Westen. Die gilt besonders für Siebenbürgen! Manche wenig gebildete Christen meinen die Dreifaltigkeit bestehe aus Gott, dem Vater, der Muttergottes und dem Heiligen Geist.

Wie äußert sich der Glaube an den drei-einen Gott?

Die Bemühung, das Wesen des Drei-Einen verbal, sprachlich zu erklären wird immer unvollkommen sein und bleiben, weil das Geheimnis Gottes jedes Begreifen übersteigt. Eigentlich müssten wir über dieses Geheimnis schweigen, weil es nicht aussprechbar ist1. Und dennoch: Es muss geschehen! Die Kirche hat den Auftrag, Gott, der sich als Drei-Einer geoffenbart hat, als Drei-Einen zu verkünden!

Wann immer das Wort, die verbale Sprache, versagt, tritt ihr die Kunst helfend zur Seite. Die Künste – vor allem die Malerei und die Musik – können als „trinitarische Sprache“ verwendet werden.

4. Bilder als Sprache des Glaubens

Was können Trinitäts-Bilder sichtbar machen?

Die Bild-Sprache ist in der Lage, Unaussprechliches auszudrücken. Ich will daher nicht über Bilder sprechen, sondern die Bilder selbst zu denen, die sie anschauen, sprechen lassen.

Wovon können und sollen Dreifaltigkeit-Bilder sprechen?

  • vom Wesen des drei-einen Gottes,
  • vom trinitarischen Handeln Gottes,
  • vom trinitarischen Handeln der Kirche – besonders in ihrer Liturgie! und
  • von der trinitarischen Frömmigkeit der Christen.

5. Einzelne Bild-Typen von Trinitäts-Bildern.

5.1 Bilder, die das Wesen des Drei-Einen zeigen

Im ersten Jahrtausend sind es vor allem symbolische Darstellungen, die auf den Drei-Einen hinweisen, denn abbilden lässt er sich nicht. Solche symbolische Darstellungen werden auch heute neu geschaffen.

Unter den Trinitäts-Bildern, die das Menschengesicht gebrauchen gibt es mehrere Typen:

  • Das Drei-Gesicht: Ein Kopf weist auf die Einheit Gottes hin, drei Gesichter auf die Dreiheit.
  • Der Drei-Kopf: Ein Körper weist auf die Einheit Gottes hin, drei Köpfe auf die Dreiheit. Sehr oft haben alle drei Köpfe dasselbe Jesus-Gesicht, weil nur der menschgewordene Sohn auf Erden ein Menschen-Gesicht gehabt hat und er selbst sagt: Wer mich sieht, sieht den Vater.

Diese Bilder wirken aber alle irgendwie „monströs“ und entsprechen nicht der Vorstellung, dass Gott unendliche Schönheit ist. Sie sind daher fast alle verschwunden.

  • Die Psalmen-Trinität: Zwei selbständige menschliche Figuren sitzen nebeneinander auf einem Thron entsprechend dem oben schon erwähnten Psalm 110: Der Herr (Vater) sprach zu meinem Herrn (Sohn) setze dich zu meiner Rechten! Und entsprechend dem Glaubensbekenntnis: Er (Christus) sitzt zur Rechten Gottes, des Vaters. Die Anordnung der Geist-Taube bleibt unbestimmt. Zuerst haben Vater und Sohn dasselbe Jesus-Gesicht, später bekommt der Vater Haare und Bart weiß entsprechend der Daniel-Vision vom Hochbetagten (Dan 7,9); der Sohn wird oft durch Kreuz und Wundmale gekennzeichnet.
  • Die tri-andrische Trinität: Drei vollständige Menschen-Figuren sitzen nebeneinander auf einem Thron oder sie stehen nebeneinander. Bei diesen Bildern tritt die Einheit Gottes zurück, die Dreiheit wird so stark betont, dass tatsächlich der Ein-Gott-Glaube auf dem Spiel steht. In der Regel haben alle drei Figuren dasselbe Jesus-Gesicht. Besonders auf der iberischen Halbinsel und von dort ausgehend in Äthiopien sind solche Dreifaltigkeits-Bilder weit verbreitet.
  • Die Paternitas: Gott Vater – als älterer Mann dargestellt – sitzt auf einem Thron (vgl. Dan 7,9) und trägt auf seinem Schoß den Sohn – als Kind oder ganz jungen Mann dargestellt – Vaterschaft und Sohnschaft Gottes sollen deutlich gezeigt werden; die Geist-Taube hat keinen bestimmten Ort. Eine gewisse Parallele zu Ikonen der Panagia Platytera ist nicht zu übersehen.
  • Der Pantokrator: Christus als der erhöhte Herr auf dem Thron Gottes mit dem Buch in der Hand muss trinitarisch gedeutet werden, denn die Buchstaben IC und XC weisen ihn als Jesus Christus aus, und die Buchstaben O ΩN oder A und Ω weisen zugleich auf die Selbstoffenbarung Gottes, des Vaters, im brennenden Dornbusch hin. Der Geist ist nicht zu sehen, aber im Namen Christus enthalten, denn er ist der Geist-Gesalbte. Dasselbe gilt auch für das Bild Christus als ewiger Hoherpriester auf dem immer auch diese Buchstaben zu finden sind.
  • Das Gastmahl der drei Engel bei Abraham gilt als die klassische kanonische Ikone der Drei-Einheit Gottes. Sie bildet den Drei-Einen, der ja unsichtbar ist, nicht ab, doch sie weist auf den Drei-Einen dadurch hin, dass die eine Botschaft von drei Boten überbracht wird. Sehr oft ist der Botenstab der Engel ein Kreuz-Stab, was auf Jesus als Erfüllung der Botschaft hinweist, oder jeder der drei Engel ist durch die sein Haupt umgebenden Initialen IC XC als Jesus Christus identifiziert.

Alle hier genannten Bild-Typen versuchen das Wesen des Drei-Einen, seine Anbetungswürdigkeit wie auch die Gleichheit und die Hervorgänge der drei Personen wenigstens andeutungsweise sichtbar zu machen.

5.2 Bilder die das trinitarische Handeln Gottes zeigen

Diese Bilder sprechen für sich, weil sie sichtbar machen, was Gott in der Heilsgeschichte auch wahrnehmbar getan hat. Drei besonders häufige Themen möchte ich herausgreifen:

  • Der Gnadenstuhl: Gott, der Vater rettet die Welt durch das Opfer des Sohnes. Der Vater sitzt auf dem Thron und hält das Kreuz mit dem Gekreuzigten in den Händen; er nimmt das Opfer an und er gibt durch eben dieses Opfer den Menschen und der Welt Erlösungsgnade. Die Geist-Taube hat keinen bestimmten Platz, meistens ist sie zwischen Vater und Sohn zu finden, denn der Sohn ist durch den Hl. Geist Mensch geworden, und der Sohn hat sterbend seinen Geist dem Vater übergeben. Der Gnadenstuhl war im Abendland vom 12.-18. Jahrhundert das am meisten verbreitete Dreifaltigkeits-Bild. Der strenge Richter auf dem Thron hat im Lauf der Zeit mehr und mehr die Züge des barmherzigen Vaters bekommen, der seinen verlorenen Sohn in seine Arme schließt. Solche Bilder nenne ich Trinitarische Pieta, in der Kunstgeschichte ist der Begriff Compassio Patris verbreitet.
  • Die Verkündigung an die Jungfrau Maria: Der Erzengel Gabriel bringt Maria die Botschaft, dass sie Mutter des Herrn werden soll. Das Geschehen ist trinitarisch bestimmt: Der Vater spricht, sein Wort (der Sohn) wird durch die Kraft des Heiligen Geistes in Maria ein Mensch. Der trinitarische Bezug wird auf verschiedene Weise sichtbar gemacht: der dreifingerige Strahl von oben trifft die Jungfrau, der Vater zeigt sich als Wolke oder als aus der Wolke greifende Hand oder als Menschen-Gestalt am oberen Bildrand, die Geist-Taube schwebt auf Maria zu. Im Licht-Strahl ist öfters das Kind (der Sohn Gottes) zu sehen, den Maria empfängt.
  • Die Taufe Jesu gilt im Osten wie im Westen als klassisches Trinitätsbild: Jesus, der Sohn, taucht hinunter in den Tod und hinauf aus dem Tod; der Vater (als Wolke, als Hand aus der Wolke, oder als Menschen-Gestalt in der Wolke) spricht: Das ist mein geliebter Sohn! Die Geist-Taube schwebt vom Vater auf den Sohn herab. Nicht selten trägt der Vater, wenn er in Menschengestalt gezeigt wird, das Gesicht Jesu.

Bei meiner Suche nach Trinitäts-Bildern ist mir aufgefallen, dass in der Kunst der letzten 200 Jahre das Thema der Drei-Einheit Gottes aus der Kunst fast ganz verschwunden ist. Es regt die Künstler anscheinend nicht mehr auf und auch nicht mehr an, Neues zu wagen. Am ehesten lassen sich symbolische Andeutungen finden: sei es in Dreiecks-Figuren, in verflochtenen Kreisen oder Ähnlichem. Man muss aber vorsichtig sein, denn nicht jede Dreiecks-Figur darf als Hinweis auf die Drei-Einheit Gottes gedeutet werden.